Das düstere Kapitel des Berges
 

Mitte September 1961 wurde die Anlage beschlagnahmt, in der das Sozialheim für Geistesschwache untergebracht war. Im Zusammenhang mit den Grenzsicherungen vom 13. August 1961 erwirkte das Ministerium des Inneren diesen Vorgang. Dem Keulenbergwirt, Herrn Höntzsch, gab man die Zusage, daß er seine Gaststätte weiterhin betreiben kann, denn dafür bestehe kein Interesse. Am 10. Oktober 1961 zog das Sozialheim vom Keulenberg nach Coswig bei Meißen. Das Objekt wurde nun der Bezirksverwaltung der Volkspolizei Dresden übergeben. Es diente in den folgenden Jahren als Schulungsstätte. Es gab auch Lehrgänge für Angehörige des Staatssicherheitsdienstes und hier gab es das Novum, daß diese auch ihren eigenen Koch mitbrachten, obwohl Küchenpersonal vorhanden war. Bei der ersten Besichtigung der Anlage durch den Chef der Volkspolizei, Genossen Nyffenegger, und dem 1. Sekretär der SED-Bezirksleitung, Genossen Werner Krolikowski, schien dieser auch an der Gaststätte Gefallen zu haben. Anfang Februar 1962 war es dann soweit, Herr Höntzsch, der Bergwirt, erhielt die Beschlagnahme seines  Privatgeländes, obwohl ihm ganz anders versprochen war. Als Preis erhielt er vom Staat 17000 Mark.
Am 24. April schloß die Gaststätte für immer.
Nachdem das Ehepaar Höntzsch Ende Juli 1962 ausgezogen war, begann der Ausbau der Gaststätte zu einem Jagddomizil für W. Krolikowski und Co. Etwa drei Jahre fuhren Autokolonnen auf den Keulenberg, um Jagden abzuhalten und dann frohe, tolle und bis in die Morgenstunden dauernde Feste zu feiern. Ja! Und das alles auf Kosten des Steuerzahlers. - Dann war auf einmal Ruhe, aber warum ist nicht zu ergründen.
Vom Juli bis August 1962 verlegten Strafgefangene ein Telefonkabel vom Anschlußkasten in Oberlichtenau zum Objekt auf dem Berg. Die Gemeinde Oberlichtenau brach am 8. und 9. Oktober 1962 die Verkaufsbude, die über dem Brunnen stand, ab und stellte sie am Weg zur Pumpstation als kleine Jagdhütte wieder auf.
Im April 1967 zogen die beiden Unterleutnante der Polizei, H. Drabant und H. D. Koch, mit ihren Familien auf den Berg. Drabant als Objektleiter und Koch als Hausmeister. Durch Herzversagen starb Koch am 4. Juli 1967. Nach etwa einem Jahr übernahm K. Neike die Hausmeisterstelle. Der inzwischen baufällig gewordene Holzgerüstturm für Vermessungszwecke mußte am 20. März 1968, um 14.00 Uhr, von einem Sonderkommando gesprengt werden. Der Turm fiel im Ganzen, von Oberlichtenau aus gesehen, langsam nach links um. Im Gebiet des Keulenberges brachte eine Spezialfirma in der Zeit vom 25. Mai bis 22. Juni 1970 Bohrungen nieder. Bei diesen Bohrungen stieß man auf starke Granitfelsen, so daß man das Unternehmen einstellte.
An der Bergbaude wurden, noch bevor die Beschlagnahme erfolgte, vom damaligen Eigentümer Erhaltungsmaßnahmen durchgeführt. So gab es neue Innengestaltung der Räume oder das Auswechseln von Dachsparren und andere kleine Verbesserungen. Dadurch war ein guter Bauzustand zur damaligen Zeit erreicht. Allen anderslautenden Aussagen wurde dadurch die Wahrheit entgegengestellt. Nach Abgang von Krolikowski verwendete man das Gebäude nur noch als Abstellhaus. Damit war der Gang der Dinge vorgezeichnet und der Verfall der Baude begann. An der Dachhaut aus Wellblech und Pappe erfolgten keine Erhaltungsmaßnahmen mehr. Regen und Feuchtigkeit bahnten sich ihren Weg und so kam es im Zeitraum zwischen 1975 und 1983 zum Einbruch des Daches. Mit etwas mehr Geist und Sorgfalt von den Verantwortlichen des Objektes, wäre es nicht so weit gekommen.
Ein neuer Antennenmast in Stahlausführung wurde 1979 installiert. Dafür riß man den alten Doppelturm, der nicht mehr genutzt wurde, Anfang der achtziger Jahre ab. Die Volkspolizei verließ mit Ende des Jahres 1985 die Anlage auf dem Keulenberg und die Zentrale Zollverwaltung der Bezirke Dresden und Karl-Marx-Stadt zog 1986 ein. Auch die Zollverwaltung verwendete die Anlage für Schulungszwecke. Die Instandsetzung der Bergbaude, welche während der Polizeinutzung zusammengebrochen war, war für die Zollverwaltung nach ihren eigenen Angaben einige Nummern zu groß, so daß man davon abließ. Ganz anders mit dem fast zerrosteten Aussichtsturm. Dieser wurde im Auftrag vom Schmied Großmann, Gräfenhain, restlos überholt, so daß er nach Ausfertigung eines neuen Gutachtens wieder bestiegen werden kann.
Übernommen aus dem Heft "Keulenberg-Berg der Heimat"