Die Errichtung des Obelisk

Am 18. September 1818 war die Einweihung des errichteten Obelisk (Friedrich-August-Säule) auf der mittleren Felskuppe. Hierüber ist von damals noch ein Bild vorhanden, ein Kupferstich handcoloriert. Die Säule wurde zur Erinnerung an das 5Ojährige Regierungsjubiläum des Königs Friedrich August des Gerechten von Sachsen errichtet. An der Vorderseite des Würfels ist eine Inschrift angebracht:

Friedrich August
dem fünfzigjährigen Vater
seiner treuen Sachsen
von jubelnden Kindern
den 15.September
MDCCCXVIII

Die erste Anleitung gab der Förster Lüttig von Laußnitz. Die Erbauer waren Gotthelf Buhle von Lomnitz und Christov Schirge von Höckendorf. Die Steine wurden mit noch mehreren Gehilfen in den Laußnitzer Steinbrüchen, zwischen Königsbrück und Höckendorf, erbrochen und bearbeitet. Das Ganze bestand aus vier Teilen: Das Fußstück, der Würfel, der obere Sockel und die Säule. Fußstück 25 Zentner, der Würfel 50 Zentner, oberer Sockel 12 Zentner und die Säule 60 Zentner (ein Zentner gleich 50 kg). Am 7. September 1818 wurde das Fußstück mit 6-Ochsengespann über Höckendorf und Großnaundorf auf schlechten Waldwegen hinauf gefahren. Am 10. September der Würfel mit l8-Ochsengespann, am 11. September der obere Sockel mit 4-Ochsengespann und am 12. September 1818 die Säule mit nochmals 18-Ochsengespann. Eine Auffahrt dauerte immerhin etwa 10 Stunden. Die beiden Sockel und der Würfel hatten eine Höhe von 6 Fuß 4 Zoll und die Säule von 21 Fuß (ein Fuß etwa 31 cm). Die letzte und größte Schwierigkeit war die Aufrichtung der Spitzsäule. Ein großes Gerüst mußte zuvor erstellt werden. Durch das kräftige Ziehen von 40 Mann zerriß zum Schreck der Anwesenden der so fest gehaltene Globen im ungünstigen Augenblick. Die Säule sauste ab, blieb aber heil. Am späten Abend und nach viel Mühen stand die Säule unter lautem Jubel und Gesang. Zur Feier wurde ein 160 Fuß langer und 100 Fuß breiter Platz von Gehölz und Steinen geräumt. Das Jagdschlößchen wurde neu renoviert. Ein großes Zelt mit Holzdiele, die Wände von Leinwand und mit Reisig ausgeschlagen, 5 große Kronleuchter und 24 Wandleuchter wurden in 63 Fußlänge und 30 Fußbreite aufgestellt. In der Nähe der Säule war eine Nische mit dem Bild des Königs hergerichtet worden. Mehrere Tage zuvor hatte es dauernd geregnet. Am Freitag, dem 18. September 1818, war kein trübes Wölkchen am Himmel sichtbar.
Mit Tagesanbruch begann der Aufmarsch zum Keulenberg. Die Schützengilden der umliegenden vier Städte Pulsnitz, Radeberg, Königsbrück und Kamenz, 70 Mann reitende Artillerie aus Radeberg mit Geschützen, 50 weißgekleidete ]ungfrauen, Gerichtspersonen, Staatsbeamte, Offiziere, Vertreter von Vereinen und eine Menge Volk zogen auf den Berg. Vormittags 11.00 Uhr verkündeten 7 Kanonendonner den Beginn. Ein Chor mit Musikbegleitung sang das Lied: ,,Dank Dir, das Dunkle ist vergangen". Hofrat Böttger aus Dresden hielt die Festrede und taufte gleichzeitig den Berg mit dem Namen ,,Augustusberg" und 101 Kanonenschüsse erschollen. Nachher glich der Berg einem Lustlager. Nachmittags 4.00 Uhr ergriff Lehrer Hapatzky aus Oberlichtenau das Wort und sprach den Dank aus, nunmehr erklang das Lied: ,, Nun danket alle Gott" mit Musikbegleitung. Bei Einbruch der Dunkelheit verkündeten 5 Kanonenschüsse den Beginn des Feuerwerkes. Bis Tagesanbruch ging der Tanz und Jubel. Aber der neue Name des Berges fand keinen Anklang. Fragte ein Wanderer nach dem Wege zum Augustusberge, so stand der Befragte achselzuckend vor ihm. Wurde aber der Name Keulenberg genannt, so erhielt er gern gute ausreichende Auskunft. Das gesamte Fest ist aufgezeichnet in dem Büchlein ,,Das Jubelfest auf dem Augustusberge", geschrieben von Dr. Karl Gustav Schmalz, Arzt und Physikus zu Königsbrück. Jede Kleinigkeit ist darin enthalten, so alle Mitwirkenden mit Namen, jedes Gedicht und Lied, was zum Vortrag kam, sowie weitere Angaben. Am 18. Dezember 1833, abends 7.00 bis 9.00 Uhr, raste ein ungeheurer Sturm mit starken Orkanböen über den Berg und riß das Dach mit Obergeschoß des Jagdhäuschens herunter. Die Hälfte des Gebäudes lag nun auf dem Aufgang zum Häuschen und in der Tiefe. Seit dieser Zeit ist es Ruine, wo Jahr um Jahr der Zahn der Zeit an der vollen Vernichtung nagt.

Übernommen aus dem Heft "Keulenberg-Berg der Heimat"