Der Aussichtsturm

Der im Jahre 1890 von Bergwirt Bürger erbaute hölzerne Aussichtsturm, wurde im Januar 1901 von einem heftigen Sturm umgeworfen. Zimmerer aus Oberlichtenau bauten noch in diesem Jahre einen neuen aus Holz. Er kam auf dem Platz des alten Turmes zu stehen. Noch im Sommer 1901 erfolgte seine Einweihung. Auf dem neuen Turm waren zur Orientierung kupferne Tafeln mit Ortsangaben angebracht. Eine dieser Tafeln wurde bereits mehrere Wochen nach der Einweihung vom Blitz zerstört. Was zeigten uns diese Tafeln?
Vom Jahre 1920 ab war das Betreten des nunmehr baufälligen Holzturmes nicht mehr gestattet. Der rührige Bergwirt, Schneidermeister Alwin Bürger, beauftragte Herrn Mühlenbaumeister Wilhelm Franke, Oberlichtenau, einen eisernen Turm herzustellen. Durch verschiedene Umstände, besonders weil der Heimatschutz hineinspielte, konnte Bürger zum Aufbau keine Genehmigung erhalten. Der alte Holzturm wurde nunmehr 1925 abgebrochen und der im Betriebe von Franke hergestellte eiserne Turm ohne Genehmigung aufgestellt. Die Baupolizeibehörde Kamenz verhängte über Bürger eine Ordnungsstrafe von 20 Reichsmark und über Franke eine solche von 100 Reichsmark. Der Turm blieb aber stehen.

Die Einweihung des neuen, eisernen Turmes, erfolgte am 10. Mai 1925. Trotz Gewitterschwüle und der drohenden Gewitterwolken eilte jung und alt aus der Umgebung auf den Berg. Punkt 3.00 Uhr nachmittags kündete ein Böllerschuß den Beginn der Einweihung an. Der Männergesangsverein Ober- und Niederlichtenau, vereint mit dem Damenchor Oberlichtenau, leiteten die Feier mit einem Lied ein. Oberlehrer Kantor Spannaus, Oberlichtenau, ergriff nunmehr das Wort zur Weihrede. Er dankte allen, die an der Herstellung des Turmes und der heutigen Feier mit tätig waren und besonders Herrn Mühlenbaumeister Wilhelm Franke, Oberlichtenau, Er schloß mit den Worten:

Steh' fest auf Felsenhöhen
als Bergwart lange Zeit;
laß' Wind und Wetter wehen,
stets Sieger bleib' im Streit,
Und wer von Deiner Höhe,
die Blicke schweifen läßt,
viel Schönes er erspähe,
nach Norden, Ost, Süd, West.

Nach erfolgter Übergabe des Schlüssels an Bergwirt Alwin Bürger ergriff Bürgermeister Bruno Kummer, Oberlichtenau, das Wort und brachte im Namen der umliegenden Gemeinden die herzlichen Glück- und Segenswünsche. Er schloß mit den Worten:

Hier oben auf Felsen
von Eisen erschafft,
trotz ich Wetter und Stürmen
bei Tag und bei Nacht.
Schau' hinab auf die Auen
und zeig' zu den Sternen,
grüß' frohlockende Wanderer
aus weitesten Fernen.

Ein frohes Wanderlied schloß die Feier. Nun ging alles ungezwungen seinen eigenen Bedürfnissen nach. Der Tanzsaal war zum Erdrücken voll und im Garten war fast kein Platz mehr zu kriegen. Den Abschluß bildete das bei Eintreten der Dunkelheit abgelassene Buntfeuerwerk.
Die Anziehungskraft des Berges wurde immer stärker. Gruppen von Wandervereinigungen, Sportler und Jugendgruppen zogen scharenweise durch die Natur und wurden ständige Besucher des Berges. Familien und Urlauber ergötzten sich an dem wunderbaren Ausblick und des Morgens an dem herrlichen Sonnenaufgang. Andere fanden Erholung von des Tages Last.

Übernommen aus dem Heft "Keulenberg-Berg der Heimat"